Die letzten Tage habe ich stark darüber nachgedacht, welche Erfahrungen Eltern nach ihrer Karenz- bzw. Elternzeit machen, wenn sie sich neu bewerben bzw. in ihren alten Job zurückkehren. Ausschlaggebend dafür war ein Gespräch mit einer Freundin, die berichtet hat, wie eine junge Mutter und top qualifizierte Expertin auf ihrem Gebiet mit +10 Jahren Berufserfahrung nach zahlreichen erfolglosen Bewerbungen ihre Elternzeit aus dem Lebenslauf genommen und bewusst entschieden hat ihre familienbedingte Auszeit in Bewerbungsgesprächen nicht zu erwähnen.
Das Ergebnis waren schlagartige Erfolge. Sie wurde vermehrt zu Gesprächen eingeladen und hatte mehrere Angebote für eine Teilzeitstelle zur Auswahl.
Der Wiedereinstieg in den Beruf nach einer Elternzeit kann für Mütter und Väter wahrlich eine große Herausforderung sein. Neben organisatorischen Hindernissen gibt es oft auch unsichtbare Barrieren, die durch unbewusste Vorurteile (unconscious bias) und eigene limitierende Denkmuster entstehen. In diesem Beitrag möchte ich aufzeigen, wie diese Hindernisse erkannt und überwunden werden können, um Bewerbungsprozesse oder die Rückkehr in den Job erfolgreich zu gestalten.
Was sind Unconscious Bias?
Unconscious Bias bezieht sich auf die unbewussten Vorurteile und Annahmen, die unsere Entscheidungen und Handlungen beeinflussen. Im Kontext von Bewerbungen bedeutet das, dass Personalverantwortliche möglicherweise unbewusst Vorurteile gegenüber Eltern haben, die nach einer (längeren) Auszeit wieder in den Beruf einsteigen möchten. Diese Vorurteile können dazu führen, dass Bewerbungen von Eltern weniger positiv bewertet oder sogar abgelehnt werden, obwohl die Qualifikationen und Erfahrungen der Bewerberinnen und Bewerber hervorragend sind.
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Individuelle Lösungswege finden
Das Erlebnis der jungen Mutter – die erst Erfolg im Bewerbungsprozess hat, als sie beschließt, ihre familiäre Rolle und Verantwortung nicht zu erwähnen – kann man als diskriminierend betrachten. Aber (ver)urteile nicht vorschnell. Experimente und Studien belegen, dass diese Prozesse in aller Regel ganz unterbewusst und häufig ohne Vorsatz auftreten – bei uns allen. Unbewusste Vorurteile (unconsious bias) existieren, kaum jemand ist frei davon und wir alle dürfen daran arbeiten, diese zu erkennen und zu hinterfragen.
Mir zeigt der Erfahrungsbericht dieser jungen Mutter jedenfalls auch, dass es in der individuellen Situation Lösungswege gibt. Jede Möglichkeit in eine gewünschte Anstellung in Teil- oder Vollzeit zu gelangen, muss zur eigenen Person und Situation im Leben abgestimmt sein. Es lohnt sich darüber nachzudenken und kreativ zu werden.
Wenn du gerne mit Unterstützung deine BEWERBUNGS-STRATEGIE reflektieren möchtest …
Im Coaching schaffe ich hierfür den Raum, leite strukturiert mit Fragen durch und mache Dynamiken bewusst.
Es gibt kein Patent-Rezept – ich erarbeite mit dir deine individuelle Strategie, die zu dir und deiner Situation passt und mit deinen Werten einhergeht.
Am Ende hast du einen klaren Plan, wie du in der Bewerbungsphase vorgehen und was du kommunizieren möchtest, erkennst schneller Red Flags im Bewerbungsprozess und kennst deine Glaubenssätze, inneren Antreiber und Karriereanker, sodass du ohne limitierende Denkmuster den beruflichen Neustart wagst.
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Gedankenspiel: Erkenne eigene Vorurteile & Denkmuster
- Was denkst du über eine Frau, die nach 4 Monaten Elternzeit/Karenz wieder eine Führungsposition in Vollzeit übernimmt? Wie ist diese Frau für dich, das sind deine spontanen Gedanken dazu?
- Was denkst du über einen Mann, der vier Monate in Elternzeit/Karenz geht?
- Was denkst du über einen Mann, der 1 Jahr in Elternzeit/Karenz zu hause bleibt und danach Teilzeit arbeitet?
- Was denkst du über eine Frau, die ein Jahr in Elternzeit zu Hause bleibt und danach Teilzeit arbeitet?
Gibt es Unterschiede in deinen Gedanken? Denkst du in den einzelnen Fällen anders über den Mann als über die Frau?
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WOFÜR sich mit limitierenden Denkmustern befassen
Das Nachdenken über eigene limitierende Denkmuster in Bezug auf Karrierewünsche und die Rückkehr ins Berufsleben kann uns Müttern und Vätern helfen, fundiertere und ausgewogenere Entscheidungen zu treffen.
Für Eltern, die ihr Potenzial voll ausschöpfen und partnerschaftliche Vereinbarkeit leben wollen, ist es zudem unerlässlich, traditionelle Geschlechterrollen zu reflektieren und miteinander in den Austausch zu gehen – um gegenseitiges Verständnis zu erhöhen und einen gemeinsamen Weg zu finden, der für euch als Familie stimmig ist.
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WIE den eigenen limitierenden Denkmustern gegensteuern
Der erste Schritt zur Veränderung ist das Bewusstsein. Wir müssen uns unserer eigenen Denkmuster bewusst werden und diese kritisch hinterfragen. Nur so können wir die Barrieren erkennen, die wir uns selbst auferlegen. Hier sind einige Fragen zur Reflexion, die dabei helfen können:
Selbsterwartung und Ehrgeiz
- Was sind meine beruflichen Ziele, und habe ich diese auf der Grundlage meiner echten Interessen und Stärken festgelegt?
- Spiele ich meine Ambitionen herunter, weil ich glaube, dass sie unrealistisch oder für Eltern nicht geeignet sind?
Selbstwert und Selbstmitgefühl
- Setze ich meinen Wert als Mutter oder Vater mit der Zeit gleich, die ich zu Hause verbringe?
- Wie fühle ich mich, wenn ich meinen Karrierezielen oder meiner Familie Vorrang einräume? Fühle ich mich schuldig oder unter Druck?
- Wie sorge ich für mich selbst, um mein geistiges und emotionales Wohlbefinden zu erhalten?
Externe Einflüsse
- Wie treffe ich Entscheidungen darüber, ob ich in den Beruf zurückkehre oder beruflich weiterkommen möchte? Beruhen diese Entscheidungen auf meinen wahren Wünschen oder werden sie von außen (Familie, Freunde, Arbeitgeber, Gesellschaft) beeinflusst?
- Wie beeinflussen die Karrierewege anderer Mütter bzw. Väter, die ich kenne, meine Wahrnehmung dessen, was für mich erreichbar oder angemessen ist?
Langfristige Ziele
- Habe ich mir langfristige Karriereziele gesetzt, die meine wahren Bestrebungen widerspiegeln, oder habe ich aufgrund meiner aktuellen Lebenssituation Kompromisse gemacht?
- Was möchte ich meinen Kindern in Bezug auf die Verfolgung eigener Karriereziele und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie vorleben?
- Wie spiegelt meine Berufswahl die Werte wider, die ich meinen Kindern vermitteln möchte?
Feedback und Reflexion
- Wie offen bin ich für konstruktives Feedback von meinem Partner, Mentoren oder anderen Vertrauenspersonen in Bezug auf meine beruflichen und familiären Entscheidungen?
- Fühle ich mich wohl dabei, meinen Partner, meine Familie oder meinen Arbeitgeber um Hilfe zu bitten und mit ihnen über meine Karrierewünsche zu sprechen?
Fazit: Unbewusste Vorurteile und eigene limitierende Denkmuster können den Wiedereinstieg in den Beruf nach einer Elternzeit erschweren. Durch das bewusste Reflektieren und Hinterfragen deiner Denkmuster, kannst du aktiv daran arbeiten, limitierende Glaubenssätze zu überwinden. So kannst du selbstbewusster und zielgerichteter in die Bewerbungs-phase starten und deine beruflichen und familiären Ziele in Einklang bringen.
